Reconnaissance
Interview Mag

 
 

Tom Buhrow
Erster Moderator der Tagesthemen der ARD

 
Dann doch die klassische Alster-Villa
 
Über die 60er, Karneval, Regen in Hamburg, "Verbotene Liebe" und wer ihm in Paris über den Weg lief

 

Tom Buhrow wurde 2006 Nachfolger von Ulrich Wickert als Erster Moderator der Tagesthemen, Deutschlands wohl immer noch anspruchsvollstes tägliches Nachrichtenmagazin im Fernsehen, und kam so in den Genuss eines der begehrtesten Jobs in der ARD.

Buhrow, Jahrgang 1958, studierte Geschichte und Politikwissenschaften. Seit Mitte der 80er Jahre arbeitete er für die ARD als Redakteur und Reporter, später als Korrespondent in Paris und dann als ARDStudiochef in Washington. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Sabine Stamer gelang ihm mit dem Buch Mein Amerika – Dein Amerika ein kleiner Bestseller, dessen Vorstellung beide zum Festival „Begegnungen“ im Oktober nach Chemnitz führte. Im Anschluss trafen wir ihn nach 23 Uhr im Restaurant Flemming, wo er nach seinem Essen ohne zu zögern in das 33-Fragen-Interview einwilligte. Um diese Zeit… – man ist beeindruckt.

Schon mal in Chemnitz gewesen?

Nein.

Ihr bestes Chemnitz-Klischee?

Die Stadt ohne Innenstadt.

„Die Nachrichten“ – das Tagesschau-Buch von Alexander Osang – gelesen?

Alexander Osang ist ein toller Autor. Aber die „Nachrichten“ habe ich nicht gelesen, nein.

Drei Ihrer Lieblingsfilme?

Einer flog über das Kuckucksnest, Die Unbestechlichen, Zeit der Zärtlichkeit.

„Die Unbestechlichen“ sind auf Ihrer Liste, weil der Film in Washington spielt?

Das war ein Film, der mich auch inspiriert hat, in den Journalismus zu gehen – was eigentlich eine schlechte Inspiration ist... Man sollte sich wohl nicht von Filmen für eine Berufswahl inspirieren lassen, einen Beruf zu ergreifen.

Lieblingsschauspielerin aus Frankreich?

Isabelle Huppert.

Ihr kulturelles Resümee zu den 80ern?

Alles nach den 60ern ist austauschbar.

Anfang November den aktuellen Literaturnobelpreisträger gekannt?

Nein. Gute Fragen.

Ihr Kommentar zu Reich-Ranickis Rache in der jetzt schon legendären Fernsehpreis- Sendung?

Man sieht ihm das nach. Er guckt wohl nicht mehr viel Fernsehen, und die Preisverleihung ist sehr lang.

 

 

Tom Buhrow sieht nicht nur sympathisch aus, er war es auch bei den 33 Fragen.
 
 

Darf man als Tagesthemen-Chefmoderator überhaupt eine offizielle Meinung außerhalb der Sendung haben?

Zu kulturellen Themen ja.

Sie wollen in den Printjournalismus und hätten die freie Wahl. Was würden Sie werden: Chefredakteur von SPIEGEL, BUNTE oder Titanic?

Ein Hybrid.

Die Finanzkrise irgendwie 2007 geahnt?

Die Kreditkrise 2007 nein, deren Ausweitung in 2008 ja.

Sie hätten die Wahl: Bauhaus-Quader oder klassische Alster-Villa?

Dann doch die klassische Alster-Villa.

Was stände dort im Wohnzimmer: Barcelona- Sessel oder Eames-Lounge-Chair?

Oh, ich habe keine Ahnung, was das ist.

Den iPod zum Joggen mit?

Ganz selten. Ich komme mit Musik aus dem Tritt.

Sie sind angeblich Karnevalsfan?

Stimmt.

Kann man über die einschlägigen Karnevalssendungen wirklich lachen?

Karneval ist zum Mitmachen, Fernsehsendungen vermitteln überhaupt kein Bild.

Jetzt sind Sie bei der Satire-Fernsehsendung „Switch – Reloaded“ als Figur drin.

Da hab’ ich davon gehört.

Mal eine Folge „Verbotene Liebe“ angesehen?

Ja. Einige Sender wie ARD, ZDF oder CNN laufen bei uns ständig im Büro. Deshalb sehe ich das mindestens stumm.

Okay: Wie heißt die führende Adelsfamilie in "Verbotene Liebe"?

Das weiß ich nicht.

Schon mal beim HSV gewesen?

Nein. Aber bei St. Pauli.

Regnet es in Hamburg wirklich so oft?

Ja. Auch wenn das alle Hamburger abstreiten.

Sie sind angeblich Stones-Fan?

Völlig korrekt. Ich sagte ja 60er…

Ist Ronnie Wood mit seinen aktuellen Eskapaden jetzt wieder ein Rock’n’Roller?

Absolut. Was besseres konnte den Stones doch gar nicht passieren.

Wieviele Abfragen täglich bei Google?

Ach, bestimmt Dutzende.

 
 
tom Buhrow mit seiner Ehefrau, der Autorin Sabine Stamer, mit der er das Buch "Mein Amerika - Dein Amerika" veröffentlichte. Fotos (2): Kreißig
 
 

Noch Kopien von Ihren Texten auf der Lokalseite Siegburg des Bonner General- Anzeigers?

Ja. Ich weiß jetzt nicht genau wo, aber mit Sicherheit irgendwo.

Wie oft denkt man daran zurück?

Häufig. Im Augenblick habe ich wieder einen engen Kontakt mit einem Fotografen aus der Redaktion, wir haben uns wiedergefunden, sozusagen.

In Paris mal Karl Lagerfeld über den Weg gelaufen?

Nein, aber Roman Polanski.

Auch mal im Weißen Haus gewesen?

Mehrmals.

Wie viele Jahre kann man den Leader bei den Tagesthemen physisch wie psychisch aushalten – theoretisch?

Uli Wickert hat es 15 Jahre geschafft, er ist Rekordhalter. 15 Jahre ist wirklich sehr viel.


Interview: Uwe Kreißig

 

 

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