Reconnaissance
Interview Mag

 
 

Michael Thalheimer
Theaterregisseur und Schauspieler

 
„Stücke von Yasmina Reza sind kleingeistiges Bürgertum“
 
Über Castorf, Zadek und Stein, Sehnsucht und Liebe, Alleinsein und sieben Jahre in Chemnitz - ein Interview mit Michael Thalheimer in Paris
 

Paris kann sehr kalt sein, seinen Charme hat es dennoch nahezu in jedem Viertel, um die der Tourismus einen Bogen macht. Wir sehen Michael Thalheimer, der etwas in Eile ist, im Café Des Banques. Gleich nebenan laufen die Proben für seine Inszenierung „Kampf des Negers und der Hunde“ im Théâtre National de la Colline, ein Ort, an dem noch wenige Wochen zuvor Frankreichs Schauspielstarschönheit Emmanuelle Béart in Albert Camus’ „Gerechten“ auf der Bühne stand.

Warum machen Sie dieses Stück, welche Intentionen hatten Sie bei Ihrer Inszenierung? – Fragenunsinn dieser Art konnte man Thalheimer schon vor 13 Jahren, als er das erste Mal – seinerzeit am Chemnitzer Schauspielhaus – inszeniert hatte, nicht mehr zumuten. Inzwischen gilt er als der wichtigste Theaterregisseur seiner Generation im deutschsprachigen Raum. Heute ist Michael Thalheimer nach Erfolgen an den großen Bühnen in Berlin, Dresden, Frankfurt/M., Hamburg, Leipzig oder Stuttgart Deutschlands cooler Export an die Spitzenbühnen Europas wie dem Dramaten in Stockholm.

Es ist klar, dass es ein Gespräch über Leben und Alleinsein, Sehnsüchte und sinnlose Hoffnungen werden wird, über Vergangenheit und die Rollenspiele am Theater. Thalheimer bestellt beim Maître noch schnell ein Filet Mignon, es folgt die rote Gauloise, es kann losgehen.

Warum wird im Theater immer den Leuten nachgetrauert, die eigentlich nichts von Belang gemacht haben - was man besonders spürt, wenn sie weg sind?

Das stört mich gar nicht so sehr. Mich stört viel mehr, dass man Leute wie Zadek und Stein, die wirklich was geleistet haben, nur würdigt, wenn man parallel die Gegenwart missbraucht. Meistens werden Zadek und Stein gewürdigt, indem man sagt, die waren ganz toll und viel besser, und das, was heute stattfindet, habe im Vergleich zu damals keinen Wert mehr. Dabei hat man dann vergessen, dass Größen wie Stein in ihren Anfängen auch gegen das Establishment, gegen die Tradition angegangen sind, dass sie mal die jungen Wilden waren. – Das andere liegt, so glaube ich, in der Natur der Sache: Wenn etwas aufhört, auch wenn es nicht von Belang war, schlägt man nicht noch mal rein, man ist froh, dass es vorbei ist; man lobt das dann eher, als dass man sich noch mal aufregt – das wäre die Sache nicht wert.

Santiago Sierra hat Westeuropa einen überdimensionalen sozialen Themenpark genannt, eine Einschätzung, die man im Grunde nicht bestreiten kann. Auch ein Teil des deutschen Theaters scheint sich einen Themenpark dieser Art geschaffen zu haben…

Ich glaube, dass das Theater immer wieder, in jeder Zeit aufpassen muss, nicht so selbstreferentiell zu sein. Dass sich das Theater nur noch um sich dreht und die Realität draußen gelassen wird, ist etwas, das man durchaus bemängeln kann. Aber zum Theater gehören eben nicht nur die Schauspieler, Regie, Intendanz, Dramaturgie, sondern auch das Umfeld des Theater wie die Kritik, die sich scheinbar nur noch um sich selbst dreht.

Was will der Bürger von der Realität wissen – und lässt er sich das über das Theater mitteilen?

Glaub’ ich nicht, weil sich der normale Bürger doch das Vergnügen sucht und das der Grund ist, warum er sich die Eintrittskarte kauft. Aber ich denke, dass Zuschauer viel belastbarer sind, was Realitäten betrifft, als man das gemeinhin annimmt. Das ist die Erfahrung, die ich mache, nicht nur in Deutschland, auch im Ausland. Sie sind durchaus bereit, einen Diskurs, den das Theater auslöst, mitzugehen.

Man hat Ihnen als Umschreibung des Regiestars in den zurückliegenden Jahren alle Plattitüden verliehen, die denkbar sind – bis hin zum „König des Theaters“. Es gibt Phasen, wo man das genießt…

Ja… Aber der König ist schnell aus der Schublade rausgeholt, und dann wird die Schublade wieder zugemacht.

Wo ist der Punkt, an dem man beginnt, die Königsrolle zu hassen?

Man beginnt es dann zu hassen, wenn die Leute nicht mehr genau zuhören und hinschauen, wenn sie mit vorgefassten Meinungen in Theaterabende gehen, weil sie glauben zu wissen, was sie erwartet.

Können die Grotesken der Gegenwartspolitik überhaupt im deutschen High-End-Theater reflektiert werden?

Das Theater ist per se politisch. Um auf die Aktualität politisch zu reagieren, ist das Kabarett wohl geeigneter als das Schauspiel. Man versucht im Theater einfach größere Weltbilder und Themen, die allein den Menschen zum Gegenstand haben, zu bearbeiten. Es macht nicht unbedingt Sinn, sich acht Wochen mit Schauspielern zu treffen und sich mit diesem Unsinn zu beschäftigen.

Wenn Theaterleute in der Kantine sitzen, prahlen sie gern und schimpfen auf die unmöglichen Verhältnisse am Haus. Wenn sich dann mal die Möglichkeit auftut, abzurechnen, halten sie den Mund. Warum?

Feigheit. Ganz einfach.

 

 
Michael Thalheimer, Café Des Banques, Paris, Mai 2010.
 
 

Warum sind unter den Regiegranden im deutschen Theater, vermutlich auch international, kaum Frauen – analog zum Schach könnte man sagen.

Ich weiß es nicht. Vielleicht haben Frauen ein anders gelagertes Interesse.

Drei Sätze zu Ihrer Zeit in Chemnitz lassen sich nicht vermeiden…

Rückblickend eine wunderbare Zeit. In Chemnitz wurde ich Regisseur, in Chemnitz hab’ ich Blut geleckt am Theater. In Chemnitz habe ich Freunde kennengelernt, mit denen ich nach wie vor eng zusammen bin – auch in der Arbeit – wie Olaf Altmann, Peter Kurth, Peter Moltzen, die ganzen Leute, mit denen ich ständig zu tun habe. Chemnitz war für mich ein richtiger Geburtsort: als Westdeutscher in Ostdeutschland mit Regie zu beginnen, was für mich eine ganz neue Welt war – Ostdeutschland war mir zunächst ja fremder als Spanien. Diese Fremdheit hat etwas ausgelöst und war ein Geburtsort für viele Dinge. Ich hab’ mich erstaunlich wohlgefühlt – ich war immerhin sieben Jahre dort. Und mein ältester Sohn ist auch in Chemnitz geboren.

Mal in eurem damaligen Stammklub Voxxx so richtig versackt?

Des öfteren, um nicht zu sagen häufig. Was ist dort jetzt eigentlich?

Wo Ihr im Voxxx* gefeiert und geplant habt, sind jetzt Eigentumswohnungen drin.

Ach du lieber Gott.

Es hieß, dass Sie 1998 in Chemnitz von Herbert Olschok und Rolf Stiska weggeekelt worden sind…

Ja und nein. Weggeekelt würde ich nicht sagen, das war es gar nicht. Die Seite Stiska / Olschok hat der neuen Truppe und ihrer neuartigen Energie, die dort entstanden ist, ratlos gegenübergestanden. Unsere Energie war so stark, dass das Haus damit gar nicht umgehen konnte. – Wenn man zurückblickt, war vieles auch überflüssig, gerade diese Härte, mit der man miteinander umgegangen ist.

Da wurden aber auch gleich mal die Requisiten für ein Erfolgsstück zerstört…

... um „Stella“ nicht mehr aufführen zu können. Das war schon heftiger Tobak, aber im Nachhinein kann ich nur darüber lächeln. – Es ist ja auch alles gut ausgegangen.

Hat man sich noch mal gesehen?

Nein. – Aber wie das eben so ist, wenn Zeit vergangen ist: Stiska hat über seine Zeit in Chemnitz dieses Buch rausgebracht, auch da taucht man drin auf, da wird alles würdevoll beschrieben...

Wie viel müsste man Ihnen bieten, damit Sie noch einmal in Chemnitz arbeiten?

Für so was bin ich nicht gestrickt. Das geht nicht mehr, das hätte auch keinen Sinn. Ich würde mich da nicht mehr wohlfühlen, ich wüsste nicht mehr, warum ich dort arbeite. Für das Haus wäre das auch nicht so gut, glaube ich. Man sollte auch nicht mehr zurückkehren, egal, wie viel Geld man geboten bekommt. In der Nostalgie mag es weiterleben, aber da ist es auch gut aufgehoben. Was vorbei ist, ist unwiderruflich vorbei.

Wenn man wirklich gute Kunst produziert, enttäuscht man automatisch Menschen, die einem nahe stehen?

Das ist unvermeidbar. Man kann nicht jedem gefallen, mitunter auch den Menschen nicht, die ganz eng bei einem sind – das ist so. Das ist auch das Problem am Regieführen, das einsam machen kann.

Es gibt nur Entscheidungen, Krankheit und Tod. Das wäre der Ansatz für jede gute Inszenierung?

Nein. Es gibt mehr. Sehnsucht.

Gibt es Liebe?

Die Hoffnung danach.

Ein großes Bankkonto hilft wahre Liebe länger erhalten, schrieb Graham Greene in Dr. Fischer aus Genf oder Die Bomben-Party.

Geld hilft bei vielem, weil es das Leben angenehmer macht. Warum nicht auch für die wahre Liebe?

Fühlt man sich wenigstens kurzzeitig schlecht, wenn Sie in Ihrer Inszenierung von Jon Fosses „Schlaf“ am Deutschen Theater die Tristesse und das schnelle Ende des Lebens in genau einer Stunde vorführen?

Schlecht und gut zugleich. Es war eine ungewöhnliche Arbeit.

Wie groß ist die Versuchung, als Celebrity in die Berliner Pseudo-Kultur-Society einzurücken – so etwas zwischen Grill Royal und Borchardts...

Absolut Null bei mir. Ich flüchte da sogar, ich entziehe mich dem und möchte da nicht dazugehören. Ich habe mich nie zu Cliquen zugehörig gefühlt, in meinem ganzen Leben nicht. Warum sollte ich das jetzt tun? Es ist schön, dass es das gibt, ich beobachte das von außerhalb, aber ich möchte da nicht dabei sein.

Wann führt Thalheimer das erste Mal Regie für einen Film?

Davor habe ich großen Respekt. Es gibt Angebote – irgendwann werde ich das wohl machen.

Mit eigenem Drehbuch?

Das weiß ich noch nicht. Aber ich brauche unheimlich Zeit, mich auf ein neues Medium einzulassen. Ich müsste mindestens ein Jahr mit dem Theater aufhören. Das kann ich mir noch nicht vorstellen.

Wäre es rein theoretisch denkbar, in Deutschland ein Theater – zumindest temporär – ohne Zuschüsse zu führen?

Temporär ist das denkbar, aber es steht eine große Gefahr dahinter. So absurd das klingen mag: Die staatliche Unterstützung schafft uns unglaubliche Freiheit, und sie schafft wohl wesentlich mehr Freiheit, als es durch Sponsoring möglich ist. Theater braucht Geld, und man begibt sich durch das „freie Geld“ oder Sponsoren in eine größere Abhängigkeit als durch den Staat. Der lässt uns ja alle Freiheiten, das ist auch das Einmalige und das Wunderbare im deutschsprachigen Theatersystem.

Mit Castorf schon mal ein Bier trinken gewesen?

Oh ja, in Mexiko. Wir waren zusammen auf einem Gastspiel, und man hat sich immer getroffen. Ich schätze ihn als einen ganz großen Regisseur – nach wie vor, auch wenn er im Moment vielleicht etwas kriselt, aber man sollte nicht alles glauben, was in der Berliner Kritik steht.

Warum hat er Sie nie in die Volksbühne eingeladen, bei ihm was zu machen?

Es gab mal einen Versuch… Aber ich glaube, die Volksbühne wäre nicht mein Haus. Es ist schon gut, dass es Häuser gibt, wo ich nicht unbedingt arbeiten will und die ich trotzdem hochgradig schätze.

Im Großraum Los Angeles sollen rund 200.000 Schauspieler gemeldet sein. Wann hat Berlin diese Zahl erreicht?

Ich hoffe, dass diese Zahl in Berlin nie erreicht wird, weil dann die meisten Schauspieler als Bedienungen in den Lokalen arbeiten und sich unmöglich aufführen würden (Thalheimer lacht).

Sie selbst können es sich leisten, auf das Dasein als Bühnenschauspieler zu verzichten. Was müsste kommen, um wieder in die studierte Profession einzusteigen?

Meine Lust müsste wieder kommen, noch mal auf die Bühne zu gehen.

Dann vielleicht eine französische Filmproduktion – vielleicht etwas mit Daniel Autieul, das würde gehen?

Ja, das würde gehen.

Wer inszeniert, nimmt Rache – in Abwandlung des Zitats Wer schreibt, nimmt Rache von Gregor von Rezzori.

Sagen wir mal so: Egal, welche künstlerische Arbeit man macht, man tut das nie aus einem Glücksgefühl heraus, sondern eher aus einem Schmerz. Für den Schmerz, den man empfindet – so verstehe ich seinen Satz – für diesen Schmerz möchte man sich rächen.

Mal bei einem dieser üblichen Interviews mit „Warum haben Sie das gemacht?“ gelogen oder etwas ausgedacht, um seine Ruhe zu haben?

Nein, gelogen nie. Aber ich habe Interviews abgebrochen, bin aufgestanden und weggegangen. Aber zum größten Teil langweilen mich Interviews, wenn man sie gibt und wenn man sie liest. Das ist ja so enttäuschend im Feuilleton, wie dumm doch die meisten Journalisten sind.

Warum gibt es keine Theatergroßkritiker mehr in Deutschland?

Stadelmaier würde ich schon als Großkritiker bezeichnen.

Okay. Aber Personalien wie Polgar oder Kerr erscheinen doch heute undenkbar?

Das wohl. Ich kann’s nicht erklären. In der Kritik ist vieles traurig.

Trotzdem mal eine Rezension geliebt, irgendwann, ein Text, der Ihnen etwas bedeutete – warum auch immer?

Über „Liliom“ damals, einige.

 
 

Théâtre National de la Colline Paris, 20. Arrondissement. Fotos (2): Kreißig

 
 

Findet man mal jemanden, der Stücke von Yasmina Reza als unwitzig, als geradezu debil empfindet?

Ja, mich. Ich bin da angstfrei. Kleingeistiges Bürgertum sind diese Stücke.

Warum wird selbst im Burgtheater in der Saison zu 2011 ein neues Stück von Yasmina Reza aufgeführt werden?

Erfolg macht korrumpierbar.

Junge Frauen werfen sich gern kalkuliert an die Macher heran. Welchen Platz nimmt dieses Rollenspiel im Theater ein?

Bei mir gar keins. Da bin ich absolut resistent.

Allein zu sein heißt, ganz man selbst zu sein, offenbarte sich Fellini. Sie sind ein Typ fürs Alleinsein.

Ich bin gern allein. Aber das hat damit zu, dass ich in meinem Beruf ständig mit vielen Menschen zusammen bin und mich mit ihnen einlassen muss und das auch möchte. Und da ist man dann auch mal gern allein.

Lieblingskünstler in der bildenden Kunst – lebend und tot.

Beuys. Beuys.

Enthält das Vergangene irgendeine Lehre für die Zukunft?

Immer. Ohne Vergangenheit keine Zukunft, und ohne Vergangenheit wird man immer dieselben Fehler machen. Ohne Gestern kein Morgen. So einfach.

Nach dem Deutschen Theater in Berlin, dem Dramaten, jetzt Paris und demnächst dem Burgtheater käme an sich London oder etwas in dieser Art. Kann es jetzt überhaupt noch weitergehen?

Jetzt kommt Kopenhagen, Stockholm kommt wieder, New York als Gastspiel. Es ist eine schöne Bereicherung für mich, einmal im Jahr ein Schauspiel im Ausland zu inszenieren.

Gibt es mehr Geld als in Deutschland?

Nein. Man verdient aus Gründen der steuerlichen Situation wohl ein klein wenig besser, aber das Interessante ist letztlich die Arbeit an bestimmten Häusern.

Warum verschanzen sich in aller Regel ehemals erfolgreiche Intendanten in ihren Theatern wie in einem Gefechtsunterstand?

Aus Angst, unbedeutend zu werden.

Könnte Ihnen das auch mal widerfahren?

Ich hoffe nein. Aber es kann jedem passieren.

Interview: Uwe Kreißig

 
 
Regieführen macht einsam; Interview mit Michael Thalheimer, in: Freie Presse, Kultur, 25. Juni 2010
 
 

Nachtrag: Am 6.8.10 wurde in der Berliner Zeitung ein Interview von Ulrich Seidler mit Armin Petras, Intendant des Maxim-Gorki-Theaters, veröffentlicht. Etwas überraschend erklärt Petras dort, dass man ihn 1996 "aus Chemnitz expediert" hätte. Diese Sicht war selbst Insidern bislang verborgen geblieben. An der Realität ein stückweit näher dran ist möglicherweise die Version, dass das Schauspiel Leipzig, das zwar seinerzeit qualitativ nicht mehr bot als sein Pendant in Chemnitz, durch den Klang der Stadt als solcher mehr Zukunftschancen eröffnete - ein absolut legitimer Wechselgrund für künstlerisches Personal. Während Thalheimer inakzeptable Vorgänge am Chemnitzer Theater im Jahr 1998 im obigen Interview bestätigt, ist bei Armin Petras ein solcher Vorgang in dieser Form nicht mehr präzise erinnerbar.

Thalheimer zog zu seiner Zeit die Konsequenzen, kündigte und war auch bereit, diese Gründe in der Lokalpresse deutlich zu nennen, was für einen kleinen Skandal sorgte, hatte zuvor doch niemand so etwas gewagt. 14 Jahren später hat Armin Petras nun bekannt gegeben, aus Chemnitz "expediert" worden zu sein. War es wirklich so einfach oder sollte es inzwischen gar ein Ritterschlag sein, vom Chemnitzer Schauspiel "vertrieben" worden zu sein? Ich fürchte, Armin Petras scheint hier einem Missverständnis aufgesessen zu sein. Er lag in seinen Arbeiten einfach daneben. Das kann jedem passieren.

Zum Hintergrund: Armin Petras arbeitete von 1994-1996 als Hausregisseur am Schauspiehaus Chemnitz und fiel in erster Linie durch Inszenierungen auf, die epigonal stark auf Castorf angelegt waren, aber als Kopie fremd wirkten. Als seine langlebigste Leistung in Chemnitz erscheint heute das eher flache Musical Knock out Deutschland von Rio Reiser, das am 15. Oktober 1994 in Anwesenheit des Musikers am Schauspielhaus eine umjubelte Premiere fand. An Petras' Inszenierung der Herrmannsschlacht, die ihm angeblich den Kopf kostete, erinnert sich in Chemnitz niemand mehr.

 

* Um die Dimension nachvollziehen zu können, was das Voxxx in Chemnitz gewesen war, lässt eine Auswahl von Künstlern, die dort auftraten oder ausstellten - nicht selten, als sie noch Geheimtips und bezahlbar waren - einen Überblick zu:
Afrika Islam, Olaf Altmann, Louis Austen, Dorette Bárdos, Olaf Bender, Bohren & der Club of Gore, Frank Bretschneider, Chicks on Speed, Cobra Killer, Walter Dahn, Funny van Dannen, Martin Eder, Hartwig Ebersbach, Nina Fischer & Maroan el Sani, Carsten Gebhardt, Klaus Hähner-Springmühl, Maximilian Hecker, Herr Blum & Combo, High Kites, Jazzanova, Uwe Kowski, Jan Kummer, Peter Kurth, Frank Maibier, Florian Merkel, Miss Kittin, Neulander, Carsten Nicolai, Olaf Nicolai, Hans Nieswandt, Robin Minard, Andrea Parker, Pfelder, Pitchtuner, Neo Rauch, Maren Roloff, Isabelle Schad, Wolfram Adalbert Scheffler, Otto von Schirach, Tino Sehgal, Senking, solitaire FACTORY, Michael Sommer, Stereo Total, Michael Thalheimer, Stereo Total, Superpunk, Rainer Trüby, Uwe Walter, Hasko Weber und andere.
 

© 2010 Interview Mag Uwe Kreißig