Reconnaissance
Interview Mag

 
 

Inka Bause
Sängerin, Moderatorin und Schauspielerin

 
Ich kam ja aus gutem Hause, ich war total schüchtern, verklemmt und viel zu feige
 
Über die Coolness von Feeling B, eine Rolle im Traumschiff, Harald Schmidt, Rockhaus, hübsche Schwestern, einen Ausflug nach Sylt zu DDR-Zeiten, Pulloverkauf auf der Váci utca und "Bauer sucht Frau"

 

Inka Bause erlebte das wechselnde Leben des Showgeschäfts in seinen Facetten, heute ist sie präsenter und erfolgreicher denn je. Mit dem eingängigen Song „Spielverderber“, geschrieben von ihrem Vater Arndt Bause, wurde die gebürtige Leipzigerin als Inka 1984 über Nacht eine ostdeutsche Berühmtheit. Superhübsch und mit den typischen Klamotten im Stil der Popper-Welle und New Romantic gekleidet, brachten sie Fernsehauftritte wie in Bong nah an das DDR-Publikum, das keineswegs unkritisch und längst sehr westlastig orientiert war.

Hinter ihrem Erfolg stand nicht zuletzt eine klassische Ausbildung auf hohem Niveau: Nach Geigen- und Klavierunterricht studierte sie Gesang der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.
Bei RTL wurde sie mit Erfolgssendungen wie „Bauer sucht Frau“ und „Unser neues Zuhause“ zur Institution in der von Drögheit geprägten deutschen Fernsehlandschaft der Gegenwart.

Wir fangen mal locker an, Inka ist einfach zu sympathisch, man streicht gleich automatisch ein paar Fragen bei ihrem Wesen… War Ihnen bewusst, dass Sie Mitte der 80er das ostdeutsche Postergirl waren?

Nach meinem ersten Hit, dem bewussten „Spielverderber“, war mir das schon irgendwie klar. Ich habe damals so viel Post bekommen wie nie wieder in meinem Leben, das waren Waschkörbe. Die vom Postamt haben bei uns zu Hause angerufen und sich beschwert, weil wir „postlagernd“ angegeben hatten und damit deren Kapazitäten sprengten. Und ich hab’ auch mitbekommen, wenn in der Armeerundschau ein Bild von mir drin war, denn dann kamen ein paar tausend Anfragen mit der Bitte, dieses Pösterchen zu signieren. Daran merkte ich, dass ich in jedem zweiten Spind hänge…

Wir sind ja ein Schuljahrgang, da darf ich das fragen: Wie sah Inka Bause in FDJ-Bluse aus?

Na ja, es ging schon so. Man trug die Bluse ja nur zum Fahnenappell, holte sie vorher zusammengeknüllt aus der Mappe raus, und danach wurde sie wieder in den Ranzen geknüllt.

Sind Ihre beiden Schwestern auch so attraktiv?

Ja. – Danke.
Inkas Schwestern sind genauso attraktiv? Das wäre eine schöne Bildstrecke für die deutsche VOGUE: Inka Bause mit ihren Schwestern tragen Prêt-à-porter.

Der beste DDR-Pop-Song? Kein eigener…

Es wird etwas von Silly oder Rockhaus sein. Es ist schwierig, ich hab’ einfach so viele in dieser Kategorie. Von Silly „Über ihr taute das Eis“, ein supertrauriges Lied. Von Rockhaus eigentlich alles…

Inka Bause war Rockhaus-Fan. Wer hätte das gedacht…

Ja, ein großer Fan. Es gab in Berlin damals Jessica- und Rockhaus-Fans, das war wie BFC und Union.

Auch mal zu DDR-Zeiten heimlich in der Off-Off-Szene am Prenzlauer Berg unterwegs gewesen?

Nein… Ich kam ja „aus gutem Hause“, ich war total schüchtern, verklemmt und viel zu feige, mich da irgendwo sehen zu lassen. Ich war ja auch viel zu jung damals, mit 16…
Ach, die hätten eine wie Inka schon reingelassen, schöne Frauen mussten da nicht so alternativ sein.

 

 

Inka Bause und Schauspielerin Beate Düber, 2009.
 
 

Gab es zu DDR-Zeiten auch richtig harte After-Show-Parties mit viel billigen Alkohol und den üblichen Folgen?

Nicht für mich. Ich war damals einfach zu jung… Vom Hörensagen wusste man, dass es so etwas gab, bei den coolen Bands aus Berlin wie City oder später Feeling B. Das war eine ganz andere Szene, auch weil ich keine Band hinter mir hatte. Aber ich bilde mir ein, dass ich nicht schlagerhafter war als Petra Zieger. Ich hab’ mich alleine durch die Gegend gequält, dadurch war ich automatisch Schlagersängerin… Und deswegen war ich bei diesen Parties nicht dabei.

Welche Erinnerungen an die ansatzweise coole Popsendung BONG?

Ich erinnere mich an nächtelanges Rumsitzen und Warten, weil man für die Sendung Videoeinspieler produzierte. Die Umsetzung war ja recht spektakulär für DDR-Fernsehen. Und dann musste ich schon wieder früh um sieben zur Hochschule zur Vorlesung, das war schon manchmal ziemlich hart.
Früh um sieben begannen Vorlesungen an der Musikhochschule?

Musikstudium auch abgeschlossen?

Ja. Natürlich.

Bestimmt mit „sehr gut“.

Ja. Schrecklich, oder?

Wer waren die sympathischsten Kollegen, mit denen Sie bei BONG vor der Kamera standen oder ging man sich aus dem Weg?

Nein, aus dem Weg ging man sich nicht. Also sympathisch war IC – uns verbindet ja wirklich eine langjährige Freundschaft. Frank Schöbel war auch ganz nett, Puhdys sowieso, weil ich mit den groß geworden bin, zumal ich mit Andy, dem Sohn von „Maschine“, liiert war – das war ja meine Sandkastenliebe. Wir waren auch acht Jahre zusammen.

Hat er dann immer eine Puhdys-Platte als Geschenk mitgebracht…?

Nee. .. Er hat mich auf Police gebracht, das fand ich super von ihm.

Auch einen Dauer-Reisepass für den Westen gehabt wie Katarina Witt? Jetzt können Sie es ja zugeben…

Nein, so einen Reisepass nicht. Aber ich will nicht lügen: Ich durfte offiziell mal zum 50. Geburtstag meiner Tante. Ich habe dann aber noch einen kleinen Schlenker über Sylt gemacht, für eine Mugge… Das muss ich zugeben.

Inka damals schon auf Sylt, im lächerlichen Schicki-Micki-Ort Kampen etwa?

Nein, in Wenningstedt. Aber das war nur so halboffiziell, ehrlich gesagt. Theoretisch war ich ja auf dem Geburtstag meiner Tante.

Theatergängerin in Berlin?

Ja, absolut.

Welches Stück zuletzt gesehen?

The Producers von Mel Brooks. Ein Traum, sehr witzig. Und ich war zum Liederabend mit Katharina Thalbach und Andreja Schneider in der Bar jeder Vernunft.

 
 
Inka Bause und IC Falkenberg bei ihrem ersten gemeinsamen Live-Auftritt auf Schloss Augustusburg.
 
 

Sie spielen mit bei der ZDF-Zweitserie „Kreuzfahrt ins Glück“.

Ja, da hab’ ich angefangen, inzwischen bin ich schon befördert worden zum Traumschiff. Ich bin in einem großen Special mit Harald Schmidt und Thomas Gottschalk dabei, das wohl zu Weihnachten gesendet wird.

Auf der CD „Sei happy“ sind Sie als Typ „französische Filmschauspielerin“ gestylt. Eine Affinität dazu?

Französische Schauspielerin? Das ist lieb – obwohl mir die französischen Filme manchmal zu kompliziert angelegt sind, wenn ich an Chabrol denke.

Welche Musikhelden der 80er inzwischen im Konzert besucht? Pet Shop Boys oder a-ha könnte ich mir bei Ihnen vorstellen…

Die internationalen Sachen sind meist in Stadien und großen Hallen, das ist nichts für mich. Aber ich gehe am 21. November in den Postbahnhof zu Rockhaus. Und dort werde ich außer Rand und Band sein…

Sie gelten heute als das große Sympathiewunder im Fernsehen, wahrscheinlich gibt es kein größeres. „Bauer sucht Frau“ würde ohne Sie vermutlich kaum funktionieren. Was ist der Trick?

Der Trick ist, dass „Bauer sucht Frau“ sicher auch ohne mich funktioniert…
Sie ist auch noch bescheiden. „Bauer sucht Frau“ mit Johannes B. Kerner oder mit Mareile Höppner zum Beispiel, das stellt man sich wirklich deprimierend vor. Jetzt müssen wir mal zum kleinen Ost-Test übersteigen.

Was sagen Ihnen Bezeichnungen Action und La Grande?

Action war diese Kosmetikserie, La Grande kenne ich nicht. Und Koivo kenne ich noch, das war okay.

Teuerste Hose, teuerstes Kleid aus dem Exquisit?

Ich hab’ damals gar nicht so viel Geld verdient, wie manche denken. Solche Sachen haben mir dann meine Eltern gekauft. Ich weiß nicht mehr, was das gekostet hat.

Ein, zwei Pullover auf dem Pullovermarkt in Siofok?

Am Balaton nicht, aber an der Váci utca in Budapest, klar.

Im Neuen Leben und in der Melodie und Rhythmus geblättert?

Natürlich. Und ich bin immer noch Leser von Melodie und Rhythmus.

Wussten Sie, dass Sie auf Ihrem Werbefoto für Röstfein MONA-Kaffee Sarah Connor ähnlich sehen? Das muss doch wirklich nicht sein...

Nö. Aber Sarah Connor sehe ich doch nicht ähnlich…

Was können Sie mit der Feminismus-Spielart von Alice Schwarzer anfangen?

Ich fand das mal ganz toll, aber sie muss natürlich – so wie wir Künstler auch – immer so eine Schublade bedienen. Das ist etwas anstrengend.

 
 
Inka Bause ist wirklich sympathisch und auch noch authentisch - wo gibt es das in diesem Segment? Fotos (3): Kreißig
 

 

Dirndl oder lieber ein Chanel-Kleid?

Dann vielleicht doch lieber das Dirndl-Kleid? Chanel ist mir noch zu klassisch.

Wenn man so eine Fanseite wie www.inkafan-infos.de näher betrachtet, bekommt man doch ein bisschen Angst als Zielperson?

Ich sehe mir das nicht so an, das hindert mich, neutral und locker zu bleiben.

Jetzt noch die Fernsehabteilung: Harald Schmidt oder Johannes B. Kerner?

Harald Schmidt, ganz klar.

Sie hatten Ende September ’89 ihren einzigen Auftritt im Kessel Buntes. Spürte man bei den Aufnahmen, dass nun alles den Bach runtergeht?

Ich hatte mindestens zwei oder drei Auftritte im Kessel! – Aber damals im September hat man gespürt, dass etwas los war. Es gab ja schon die Resolution der Musiker, es war schon seltsam, schwierig geworden.

Warum sind die deutschen Fernsehserien oft so debil – und die Serien aus der vermeintlich platten USA so souverän und cool?

Ich weiß nicht. Weiter.

Schon mal Ihre Parodie bei Switch reloaded angesehen?

Ja. Also das ist wirklich sehr gut. Das ist für Zeitgenossen wirklich ein Adelsprädikat, wenn man dort dabei ist.

Und Susanne Pätzold als Inka?

Die macht das gut. Und auch meine Tochter findet das ganz toll.

Auf dwdl.de wurde zur Jahresmitte das Ende der „Bause-Sause“ verkündet – wegen abgesagter Sendungen oder schlechter Quoten, die BZ lästerte am gleichen Tag über Sie und Ina Müller, „Bauer sucht Frau“ wird auf derwesten.de als „bizarre Mischung von Groschenroman und Realsatire“ abgefertigt. Wird man da als Star der Stunde unruhig?

Nein, bin ich nicht, weil sich dort nur über erfolgreiche Sendungen aufgeregt wird. Es gibt so schlechte Sendungen bei einigen Fernsehsendern, die werden gar nicht beachtet, weil die kaum einer guckt. So einfach ist das.

Wieviel Privatleben muss man verkaufen, um außerhalb des Bildschirms im Gespräch zu bleiben?

Man muss es nicht tun. Es gibt freilich auch die ungewollte Form, wo irgendetwas geschrieben wird, das keinerlei Hintergrund hat.

Was bleibt, wenn die Showlichter ausgehen?

Kind, Familie, Freunde, Hund.


Interview: Uwe Kreißig

 

© 2009 Interview Mag Uwe Kreißig