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Es geht auch ohne Weltkarriere

 

Strawaldes Bilder im Morgner-Archiv Chemnitz

 

Wenn Michael Morgner der Altmeister der sächsischen Kunstavantgarde ist, dann ist Strawalde vermutlich der Doyen. Folgerichtig war es für Morgner, der 2017 seinen 75. Geburtstag feierte, Ehrensache, einen Wegbegleiter in das Morgner-Archiv zur Ausstellung einzuladen. Nun, das darf man als Ehre verstehen: Programm der Galerie und die Lokation in der Agricolastraße würde man in England, Frankreich oder Polen im positiven Sinne dem Großbürgertum zurechnen. Auch die Vernissagen verdienen noch diesen Namen: Es gibt eine Rede, die von jemandem gehalten wird, der vom Thema etwas versteht, es gibt ausgewählte Musik, gespielt von Profis, und die Gäste interessieren sich (man mag das kaum glauben) in ihrer Majorität für das, was an der Wand hängt.

Strawalde, der bekanntermaßen Jürgen Böttcher heißt und Jahrgang *31 ist, kommt aus der Gegend. Geboren in Frankenberg, die Kindheit in Hainichen, Studium und erste Arbeitsjahre in Dresden. das hat bei ihm Spuren hinterlassen. Zur Eröffnung der Chemnitzer Ausstellung am 8. Juni legt er am späten Abend im kleinen Kreis Episoden aus dieser Zeit nieder - in der wohlfeilen Form des begnadeten Erzählers. Und man sah das Kind vor sich, dass in der Provinzstadt Hainichen glücklich war.

 
Strawalde vor dem Morgner-Archiv, 2017. Fotos (2): Kreißig
 
 

Viele Jahre später ging er nach Berlin, für deutsche Künstler seit über 100 Jahren kein untypischer Weg. Das hing und hängt auch mit Karriereintentionen zusammen. Für eine Weltkarriere hätte es dennoch nie gereicht, dafür sind Böttchers Sachen zu wenig abgehoben, manchmal auch etwas sperrig. Seine Vielseitigkeit dagegen hat ihm das Künstlerleben gerettet. Als der Maler Strawalde zeitweise wegen kunstpolitischer Veränderungen in der DDR ausjuriert wurde, drehte er Filme, meist Dokus, für Kenner heute noch mit das Beste, was damals auf ORWO-Streifen in diesem Genre entstand.

 
 
Michael Morgner, hier mit seinem Kollegen Carsten Nicolai, lud Strawalde nach Chemnitz.
 

 

Es ist kein Geheimnis, dass Strawalde in Dresden der Lehrer von A. R. Penck war, der damals noch Ralf Winkler hieß und sich später einen Künstlernamen zulegte. Und da geht die Geschichte weiter. In Dresden, wo Penck bis zu seinem Rausschmiss aus der DDR lebte, bevor er tatsächlich eine Weltkarriere begann, die ihn zeitweise gar zum Co-Star in der New Yorker Kunstszene werden ließ, hatte er einen Schüler, der in Karl-Marx-Stadt in den "goldenen Jahren" mit Morgner die Taktung der hießigen Kunstszene bestimmte: Das war Klaus Hähner-Springmühl, aber das ist eine andere Geschichte.

In seinen Bildern erzählt Strawalde auch Geschichten. Diese deutet man besser nicht, sondern sieht sie sich im Original an.

Uwe Kreißig

 
 
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Interceptor - der Verschwörungsthriller von Jay Michel Ellis
 
Die deutsche Hauptstadt vibriert im Spätsommer 2015 als Weltmetropole von Politik und Kunst. Zur gleichen Zeit ziehen durch Osteuropa kolossale Menschenströme aus dem Nahen Osten, Mittelasien und Afrika, geleitet durch Schlepperbanden und bestärkt durch leichtsinnig agierende Regierungen, die Ausmaß und Motive der Wanderung auf eine ideologische Weise interpretieren. Das Ziel der Migranten sind die reichen Länder Westeuropas. Im Berliner Kanzleramt berauscht man sich an einem späten Augustabend im engsten Kreis um Kanzlerin Barbara Weller an einer riskanten Idee, über deren mögliche Folgen man sich zunächst keine Gedanken machen will. Mit der weltweiten Verkündung einer offenen deutschen Grenze und einer oberflächlichen Integration der Migranten will die Bundeskanzlerin die Kandidatur als neue UNO-Generalsekretärin anbahnen. Ein Triumvirat beschließt in einer informellen Beratung, die Realität zu kuratieren. Aber die Geheimoperation entwickelt bald ein ungeplantes Eigenleben. Ein Verschwörungsthriller als Referenz an "Ghostwriter" von Robert Harris.

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