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Fair - Clever - Königlich

 

Das neue Stadion des Chemnitzer Fußballclubs ist als Spielstätte etabliert

 

Im Januar war die Aufregung groß: Durch Fehlkalkulationen im Betrieb des neuen Stadions war der Chemnitzer Fußballclub über Nacht in eine bedrohliche finanzielle Schieflage geraten. Mit den neuen Vorstandsmitgliedern soll nun wirtschaftliche Expertise Einzug halten, um auch komplexe Felde wie die rentable Bewirtschaftung eines modernen Fußballstadions in den Griff zu bekommen. Nebenbei wurde die kritische Finanzsituation durch eine Zahlung der Stadt sowie über einen Kredit des Energieversorgers eins bereinigt.

 
 
Die Mannschaften Borussia Mönchengladbach und Chemnitzer FC laufen zum offiziellen Eröffnungsspiel am 2. August 2016 ein. Die Stimmung im Stadion, das in der Zwischenzeit die Bezeichnung community4you ARENA erhalten hat, womit sich ein weltweit agierender Softwarehersteller aus Chemnitz in den Sponsorenpool des Drittliga-Teams großzügig einbringt, war herausragend.
 
 
Die Fans und die Sponsoren haben die neue Arena dennoch gut angenommen, wovon sich jeder Besucher bei einem Heimspiel des Clubs überzeugen kann. Die drückende Atmosphäre der alten, sehr einfach gehaltenen "Fischerwiese", wie man sie noch vor dem großen Tribünenbau (der erst im Sommer 1989 realisiert wurde), als der FC Karl-Marx-Stadt ("FCK") eine Größe der DDR-Oberliga kannte, wird man wohl im neuen Stadion des "Clubs" an der Gellertstraße nicht mehr wiederfinden können.
 
 
FCK-Legende Jürgen Bähringer auf dem Weg zum Ehrenanstoß. Und bis heute fordert der Fanblock bei langen Freistößen die Ausführung durch "Bähre". Fotos (5): Kreißig
 
 

Doch selbst Stadionneubaukritiker werden nach einem Heimspielbesuch einsehen müssen, dass man dem Sonnenbergrand eine wirkliche architektonische Kennung gegeben hat. Lediglich die drei unverkleideten Außenseiten wirken unglücklich, auch wenn sie einen Blick auf die hervorragende Qualität der Betonfertigteile freigeben. Eine Exkursion zum polnischen Erstligisten Slask Wroclaw könnte Anregungen vermitteln, um sich am dortigen Stadionneubau (der zugegebenermaßen eine Nummer größer ist) eine preiswerte Form der Verhüllung der Aufbauten anzusehen, die sogar eine Hintergrundilluminierung mit Fernwirkung zulässt.

 
 
Die Erinnerung an die Glanzzeit im Chemnitzer Fußball: Der FC Karl-Marx-Stadt ist Meister in der Saison 1966 / 1967, die Spieler des Erfolgsteams treten zum Fototermin an. Foto: Archiv Kreißig
 
 
Unabhängig davon: Beim ersten Punktspiel gegen Großaspach und zur Einweihungszeremonie mit einem Freundschaftsspiel gegen die Borussia aus Mönchengladbach zur Mitte des Sommers wurde klar, dass Fans, Besucher und Spieler die neue Lösung ohne Eingewöhnung angenommen haben. Inzwischen hat das Stadion an der Gellertstraße aus finanziellen Gründen den Namen Community4you-Arena erhalten. Der leicht sperrige Titel blieb von der Fanszene nicht unkritisiert, allerdings steht dahinter ein erfolgreicher Chemnitzer Softwarehersteller. Und eine regionale Werbelösung ist dann doch sympathischer als ein gesichtsloser Multi, bei dem man nicht mal genau sagen kann, wo sich der Firmensitz befindet.
 
 
 
Mike Kilian ist im Hauptberuf Sänger der ungebrochen populären Ostberliner Popband Rockhaus ("Bleib cool"), die im Übrigen bis heute live ein Tipp ist. 1999 machte Kilian eine Mugge und komponierte die neue CFC-Hymne "Wir sind die Himmelblauen", die er zur Stadioneröffnung live sang.
 
 

Manche Slogans aus den 80ern wie "Fair - Clever - Königlich" (FCK) funktionieren durch die Umbenennung des Clubs heute nicht mehr so. Dass die Fans die Vergangenheit ihres Clubs nicht loslassen, war in den ersten Spielen im neuen Stadion unüberhörbar. Einer ihrer populärsten Schlachtslogans bleibt unverändert: "Der FCK ist wieder da!"

Uwe Kreißig

 
 
 
Die Damen der KaRo Dancers aus Bad Schlema boten den Fans zur Einweihung zwei passable Auftritte.
 
 
 
Auch wenn ihr eingängiger Sound eher aus einer Bohlen-Produktion zu stammen scheint: DJ Ric & Rixx bilden das erzgebirgische Duo Stereoact und haben mit ihrem in Chemnitz produzierten Hit "Die immer lacht" alle regionalen Rekorde geschlagen. Die Fantribüne nahm ihren Auftritt freundlich zur Kenntnis.
 
 
Promotion
 
Interceptor - der Verschwörungsthriller von Jay Michel Ellis
 
Die deutsche Hauptstadt vibriert im Spätsommer 2015 als Weltmetropole von Politik und Kunst. Zur gleichen Zeit ziehen durch Osteuropa kolossale Menschenströme aus dem Nahen Osten, Mittelasien und Afrika, geleitet durch Schlepperbanden und bestärkt durch leichtsinnig agierende Regierungen, die Ausmaß und Motive der Wanderung auf eine ideologische Weise interpretieren. Das Ziel der Migranten sind die reichen Länder Westeuropas. Im Berliner Kanzleramt berauscht man sich an einem späten Augustabend im engsten Kreis um Kanzlerin Barbara Weller an einer riskanten Idee, über deren mögliche Folgen man sich zunächst keine Gedanken machen will. Mit der weltweiten Verkündung einer offenen deutschen Grenze und einer oberflächlichen Integration der Migranten will die Bundeskanzlerin die Kandidatur als neue UNO-Generalsekretärin anbahnen. Ein Triumvirat beschließt in einer informellen Beratung, die Realität zu kuratieren. Aber die Geheimoperation entwickelt bald ein ungeplantes Eigenleben. Ein Verschwörungsthriller als Referenz an "Ghostwriter" von Robert Harris.

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