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"Wenn dieses Land nicht Millionen von Frauen hätte, die klaglos arbeiten und alles Mögliche parallel machen, würde diese Gesellschaft sowieso sofort zusammenbrechen"

 

Demografie-Konferenz der Grünen im Deutschen Bundestag

 

Demografie ist kein dankbares Thema in der Politik. Verwerfungen lassen sich meist nur langfristig beheben, bleiben fast immer mit hohen Investitionen und der Aufhebung von Besitzständen verbunden und oft sind dann anstehende Wahlen für eine nachhaltige Reform das größte Hindernis. Dem Team der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen darf man dankbar sein, dass sich am 10. Februar 2017 Politiker und Fachgäste aus ganz Deutschland im Deutschen Bundestag zur Demografie-Konferenz "Gemeinsam für Morgen" trafen.

Themenkomplexe wie Lebensverlaufsperspektive, Erhöhung des Lebenswertgefühls im Alter oder Alltagsleben als alternder Mensch kamen in den Vorträgen und Diskussionsrunden zur Sprache. Für Krankenhäuser ist die steigende Lebenserwartung und der Zuzug von Migranten sicher zunächst kein Nachteil, weil dadurch Fallzahlen steigen. Andererseits sind die Herausforderungen durch Multimorbidität, erhöhten Aufwand in Diagnostik, Therapie und Pflege für alte Patienten in vielen Kliniken oft noch nicht hinreichend abgebildet.

 
 
Der Wahlspruch "Die Rente ist sicher", "seit Norbert Blüm der Staatskalauer Nr. 1". Hajo Schumacher hatte die Lacher auf seiner Seite.
 
 

Als frei denkender Stargast ohne Fraktionszwang und mit hohem Unterhaltungswert sollte sich Hajo Schumacher erweisen. Der Publizist, Moderator und Jogging-Experte ("Restlaufzeit") unterhielt das Auditorium mit gut formulierten Wahrheiten, ohne sich ideologischen Vorgaben zu beugen. "Mit Kindern, die den ganzen Tag in Videospielen rumhängen, werden sie keine glücklichen Alten haben", so der Ex-SPIEGEL-Redakteur. Am wichtigsten für diese Gesellschaft sei das andere Geschlecht: "Wenn dieses Land nicht Millionen von Frauen hätte, die klaglos arbeiten und alles Mögliche parallel machen, würde diese Gesellschaft sowieso sofort zusammenbrechen." Die Kombination von Jugend- und Seniorenklub halte er für sinnvoll, das Mehrgenerationenhaus wäre dagegen ein Ort, "wo permanente Krisensitzungen stattfinden und sich überwiegend verhaltensauffällige Menschen einfinden".

 
 
Stephanie Lohaus, Herausgeberin des Missy Magazines, mit dem die coole Frau von heute angesprochen werden soll, referierte über "gebrochene Lebensformen" und den "Klub der Zeitmillionäre". Fotos (2): Kreißig
 
 

Schumacher wies auf unseren laxen Umgang in einigen Seniorenheimen hin, wo durch "industrialisierte Pflege Menschen jahrelang dahindämmern". Einsamkeit kostet sie sieben Lebensjahre und sei übrigens der Hauptgrund, warum ältere Menschen in Pflegeheime gehen, um dort bald ihren Irrtum zu verstehen. Besonders im Alter brauche man eine gemeinsame Idee vom Leben, in der Partnerschaft wie im Verhältnis zu Kindern und Enkeln, meint Hajo Schumacher.

 
Uwe Kreißig
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
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